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Archäologie am Main - Riedenheim

Fürstliche Gräber

Eine frühe Besiedlung in dieser Region ist nur durch wenige Einzelfunde belegt. Zu erwähnen ist hier vor allem ein Hockergrab mit Kupfer- oder Bronzearmring nördlich von Riedenheim, das wohl um 2000 v. Chr. angelegt worden ist. Weitere vorgeschichtliche Siedlungsstellen sind erst wieder für die Urnenfelderkultur (ca. 1100-750 v. Chr.) durch Lesefunde östlich von Gelchsheim, südöstlich von Lenzenbrunn und westlich von Riedenheim nachgewiesen.

Hügel um Hügel

Dagegen haben sich in den ausgedehnten Wäldern um Stalldorf einige Grabhügelgruppen mit zahlreichen Hügeln erhalten. Allerdings sind nur wenige Funde bekannt, die eine zeitliche Einordnung der Hügel erlauben. Ein Bronzebeil, das im Wald östlich von Stalldorf gefunden wurde, deutet auf die Hallstattzeit hin. Als größter und wichtigster Hügel ist der sogenannte "Fuchsenbühl" westlich von Riedenheim. (s.u.)

Weitere bedeutende Funde sind erst wieder aus der Merowingerzeit zu vermelden, als die Franken bereits ihr Reich nach Mainfranken ausgedehnt hatten. So kamen 1988 im Zuge von Straßenbauarbeiten bei Gelchsheim Gräber dieser Zeit zutage. Zusammen mit einer anschließenden kleineren Grabung im Nachbargelände konnten 14 Gräber eines wohl größeren Reihengräberfriedhofes freigelegt werden.

Frauengräber

Ein Teil der bis zu zwei Meter in den Boden eingetieften Gräber war bereits in alter Zeit beraubt worden, trotzdem erlaubten die noch vorhandenen Funde Einblicke in Kleider- und Bestattungssitten dieser Zeit. In den meisten Gräbern waren Frauen beigesetzt. Von den Beigaben blieben vor allem Gewandfibeln, Glasperlenschmuck und Gürtelteile erhalten. Besonders hervorzuheben sind zwei reich verzierte Bügelfiebeln aus der Mitte des 6. Jahrhunderts. (siehe Foto). Die mit einem stilisierten Tierkopf verzierte Fibel gehört dabei in den thüringischen Kulturkreis, zu dessen Einflußbereich Mainfranken bis ins erste Drittel des 6. Jahrhunderts gehört hat.

Thüringischer Einfluß

Neben der Tracht waren die Frauengräber auch noch mit typisch weiblichen Beigaben wie Kämmen aus Knochen oder Geweih, Spinnwirteln und gelegentlich mit einem Messer oder einer Schere ausgestattet. Einige Gräber enthielten auch Gefäßbeigaben, wobei hier ebenfalls neben typisch ränkischen Gefäßen ein Topf thüringischer Herkunft zu verzeichnen ist.

Dr. Michael Hoppe, Denkmalpflegeamt
Mainpost Lokales 23.04.1999




Schon in der Antike kamen Plünderer

Gestörte Grabesruhe

RIEDENHEIM (HOP/RAIS)

Der Name "Fuchsenbühl" für den hallstattzeitliche Grabhügel westlich von Riedenheim kommt nicht von ungefähr. Vor langer Zeit schon haben die Füchse die stattliche Grablege zu Wohnzwecken in Besitz genommen. Der aufwendige Bau mißt 40 Metern im Durchmesser und ist sechs Meter hoch. Die reiche Ausstattung und die hochwertigen Beigaben, teils griechischer und etruskischer Import, aus dem Mittelmeerraum, trugen dem Hügel im Volksmund den Namen "Fürstenhügel" ein. Anhand dieser Beigaben ließ sich auch die Entstehung auf die Zeit um 600 vor Christus datieren.

Ob nun Fürst oder nicht - lange kann die Grabesruhe des Verstorbenen nicht gedauert haben. Bereits in antiker Zeit waren Grabräuber am Werk, die von oben her zur Grablege vorzudringen suchten.

Den größten Schaden aber hatten junge Burschen 1977 angerichtet. Mit einem Bagger öffneten sie den Hügel - um nachzuschauen, ob er wirklich ein Grab sei, wie der Lehrer in der Schule immer behauptet hatte. Und selbst während der Nachuntersuchungen des Landesamts für Denkmalpflege 1978 schürften Unbekannte auf eigene Faust. Antrieb mag der Goldschatz gewesen sein, der nach den Überlieferungen dort vergraben sein soll. Die Archäologen fanden schließlich Reste einer 4,5 mal 5 Meter großen, aus Holz gezimmerten Grabkammer, die mit einer mächtigen Steinpackung überdeckt war. Nach Ausweis der nur noch spärlichen Funde enthielt die Kammer einen vierrädrigen Wagen, auf dem üblicherweise der Tote gebettet war.

FOTO WIEHL
FOTO: WIEHL, Mainpost

1978 versuchten
Archäologen am
Riedenheimer Fürstengrab
zu retten,
was zu retten war.

Deutlich zu erkennen
die Wohnröhren der
Füchse, die sich längst
der antiken Grabstätte
bemächtigt hatten.


Dr. Michael Hoppe, Denkmalpflegeamt
Mainpost Lokales 23.4.1999


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